JugendLand
Ein Projekt des Jugendring Sächsische Schweiz e.V.
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Pressemitteilung
Bad Schandau, den 25.08.04

Das Projekt JugendLand informiert:

Nachgefragt beim Jugendclub Lohsdorf

Wenn man sich nicht vorstellen kann, dass die Worte "Jugendclub" und "Romantik" zueinander gehören können, wird man in Lohsdorf eines besseren belehrt. Eine romantischere Lage kann man sich für die kleine hölzerne Finnhütte kaum wünschen. Auch das Gelände um die Hütte würde jedem Erholung suchenden Kururlauber gefallen. Meterhoch türmen sich die für den Winter geschlagenen Stämme am benachbarten Schuppen, denn im Jugendclub basiert alles noch auf Holz- und Kohlefeuerung. Auffällig ist der neu gestaltete, beleuchtete Weg mit der gepflasterten Feuerstelle in der Mitte, der die große Rasenfläche teilt. Alles sieht sehr gepflegt und einladend aus. Gastfreundlich eingestellt sind auch die Jugendlichen, die "Macher" der Anlage. Auch hier bietet es sich an, mal nachzufragen, was den Jugendlichen auf dem Herzen liegt und was der Jugendclub für sich und den kleinen Ort tut. Torsten Kluge, Sozialarbeiter bei JugendLand, dem mobilen Projekt des Jugendring Sächsische Schweiz e.V., unterhielt sich mit Enrico Leuner (24 Jahre), Daniel Müller (22), Sylvia Schäfer (20) und Daniel Queck (23):

Wenn man auf eure Homepage (www.jc-lohsdorf.de.vu/) surft, fällt einem zuerst eine Veranstaltung auf – das "Budlfest"! Was ist darunter zu verstehen?

Enrico: "Es ist ein Fest – unser Fest, welches jedes Jahr, also schon traditionell, stattfindet. Es ist anfangs als Versuch gestartet worden und dann doch sehr gut angekommen."

Daniel M.: "Es war damals auch nur für die Lohsdorfer gedacht, als eine Art Dorffestersatz, denn da gibt es hier sonst nichts. Es sollte nicht groß angelegt sein, hat sich dann über die Jahre immer mehr gesteigert."

Seit wann gibt es das Fest schon?

Sylvia: "Schwer, das so schnell zu sagen, aber es müssten jetzt 5 Jahre sein."

Das diesjährige Fest ist ja gerade gelaufen. Was gab es da für die Gäste und wie war die Resonanz?

Enrico: "Da gab es eine Reihe. Mit dem Kindernachmittag fing es an. Eine Hüpfburg war dazu aufgebaut, Kinderschminken fand statt und es gab jede Menge Spiele mit tollen Preisen. Dazu waren unsere Mädels bei unterschiedlichsten Gewerben, die Dankbarerweise auch viele kleine Sachen spendeten."

Sylvia: "Am Abend gabs zum ersten Mal selbst gemachten Kesselgulasch. Gesponsert wurde der von der Jagdgenossenschaft und unserem Lohsdorfer Jäger Werner Plötz."

Daniel Q.: "Eine Filmvorführung lief wie schon im vorigen Jahr über das Projekt JugendLand. Dieses Jahr hatte das ganze noch mehr Zuspruch."

Enrico: " Dieses Jahr nun ganz neu: wir konnten zum ersten Mal den Grillplatz nutzen. Das Fest war eine gute Möglichkeit, diesen zünftig einzuweihen. Musik gab es wie immer und neben dem Kesselgulasch auch andere Leckereien.

Es ist nur schade, dass sich manche "Gäste" nicht an das Rauchverbot im Bud´l halten können. Der einzige Wehmutstropfen an diesem Abend."

"Bud´l" – so heißt euer Jugendclub-Gebäude. Seit wann gibt es die Holzhütte und wie kam es dazu?

Sylvia: "Erbaut wurde der Club 1987 und wurde von der damaligen Jugend in vollkommener Eigenleistung errichtet"

(Die Jugendlichen weisen auf die zahlreichen Fotogalerien an den Wänden. Neben Bildern von zahlreichen Partys und Festen sind da auch Fotos vom Bau des Bud´ls und des Grillplatzes zu sehen.)

Daniel M.: "Die Idee kam auch von den Jugendlichen und unter Regie von Maik Rasche setzten sie diese dann in die Tat um."

Nun ist die Zeit ja nicht stehen geblieben. Was ist an und um euren Club in den letzten Jahren und Monaten passiert?

Enrico: " Der Club hatte viele Höhen und Tiefen durch seitdem. Eine Zeitlang gab es da ganz "dunkle Gestalten", bei denen es drunter und drüber ging. Alles war runtergekommen und "zugemistet". Da hat sich jetzt schon einiges geändert."

Daniel M.: "Wir haben hier eine Bar eingebaut. Die Stühle haben wir noch aus Flutzeiten vom Schrammsteinbad "abgestaubt". Die Treppe ins Dachgeschoß ist dazu gekommen. Vorher gab´s da bloß ne Leiter. Damit kann die obere Etage auch genutzt werden und ist jetzt unser Freizeitraum für Spiele und zum Abschalten."

Daniel Q.: "Größtes Bauvorhaben dieses Jahr war der Weg und der Grillplatz. Der macht das Bud´l natürlich um einiges attraktiver."

Enrico: "Die Bausache ging bis Ende Mai gut über die Bühne. Dann wurde nur noch der Hang mit dem restlichen Dreck aufgefüllt und Mutterboden darüber geschaufelt. Das Gras brauchte dann auch noch seine Zeit, um zu wachsen."

Kam das alles aus eigener Tasche?

Enrico: "Es gab dafür Fördermittel vom Landkreis. Aber ein großer Teil kam auch finanziell und in Eigenleistung von uns."

Sylvia: "Dann haben uns auch noch viele ortsansässige Firmen unterstützt, beispielsweise Montagebau Müller."

Wie viele Jugendliche gehören zum Lohsdorfer Club und was macht euren JC für euch so attraktiv?

Daniel Q.: "Wir sind ca. 20. Im Altersdurchschnitt um die 20 Jahre. Wir haben aber auch Stammgäste, die auf die 70 zugehen. Das Besondere hier ist die ausgesprochene Gemütlichkeit abseits von Leuten, die wir stören könnten. Es ist halt abgelegen und rustikal. Es gibt ein "Fleckel", wo man sich treffen kann und die Gemeinschaft macht viel aus. Wir können hier unsere eigenen Gedanken umsetzen, bei denen uns keiner reinredet. Die Stadt hat mit diesem Platz wenig zu tun."

Wer hat hier was zu sagen?

Daniel M.: "Jeder! Jeder kann hier seine Meinung sagen. Die Meinung derer, die öfter da sind, ist da aber meist auch etwas gewichtiger. Es wäre schön, wenn sich aber noch mehr einbringen würden. Einen Chef in dem Sinne gibt es nicht."

Enrico: Es gab hin und wieder schon mal Diskrepanzen. Die wurden aber besprochen und in der letzten Zeit läufts gut."

Daniel Q.: "Bei 20 Leuten gibt es da schon mal Meinungsverschiedenheiten."

Was macht ihr neben Bauen und Budlfest?

Daniel M.: "Viele spontane Feiern, z.B. Cocktail- und Tequillaabende. Aber auch gemütliche Grillabende. Das macht sich jetzt an der neuen Feuerstelle natürlich sehr gut. Ausflüge zum Bowling gab es genauso."

Sylvia: "Mindestens einmal die Woche trifft man sich zum Quatschen im Club. Ein Tag steht aber für alle fest. Am Mittwoch weiß jeder, dass immer jemand da ist."

Daniel Q.: "Himmelfahrt nutzen wir immer zusammen mit Leuten von der Feuerwehr zu einer Wandertour. Der Abschluss ist dann mit Grillen hier am Club."

Enrico: "Nächstes Jahr ist auch der 1. Mai geplant nach dem Motto "Tanz in den Mai". Das Maifeuer gehört da dazu. Intern gibt’s auch mal ne kleine Faschingsfeier oder ne Silvesterparty. Das wurde aber in den vergangenen Jahren mehr betrieben. Der Silvester-Lichtlabend mit Spanferkel war da zum Beispiel super. Auch die Angebote von JugendLand werden genutzt. Das letzte war die Fahrt mit Führung durch die Radeberger Brauerei. Einen gemeinsamen Urlaub hatten wir noch nicht, aber es wäre eine Idee wert."

Seht ihr in die Zukunft geschaut irgendwo Probleme auf den JC zukommen oder habt ihr besondere Wünsche?

Daniel Q.: "Nachwuchsprobleme. Das bedeutet, dass sich welche finden, die den Club weiterführen. Wir werden auch älter und wollen mit 30 nicht mehr unbedingt hier hängen."

Enrico: "Die jungen Leute im Ort sind zwar nicht zahlreich, aber sie sind da. Warum sie nicht hierher kommen, wo es doch in Lohsdorf sonst nicht so gut mit Freizeittreffs aussieht, wissen wir nicht." (allgemeines Schulterzucken)

Daniel Q.: "Manche Clubmitglieder sehen die Arbeit nicht." (über diese Aussage entbrennt eine größere Diskussion mit dem Fazit:) "Schön wäre es auf jeden Fall, wenn die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt ist."

Daniel M.: "Aber auch baulich muss sich noch einiges tun. Wir denken da an den Holzschauer oder die dringend notwendigen Toiletten. Den Boden versuchen wir jetzt schon auszubauen. Um die Bude vollends in Angriff zu nehmen, müsste uns die Stadt mal unter die Arme greifen. Bei der Erschließung des Geländes und Abwasserangelegenheiten haben sie ja zum Beispiel über den Bauhof mehr Möglichkeiten. Anschlussgebühren wären da auch ein Thema. Da fühlen wir uns schon oft allein gelassen. Beim Vorrichten des Bud´ls vor einiger Zeit, zu dem uns letztendlich die damalige Ortsvorsteherin noch Pinsel und Farbe besorgte, hieß es z.B. auch vorher, es wäre kein Geld da und im Nachhinein kam die Aussage "es wäre was möglich gewesen, beizusteuern". Das nützt uns dann nicht viel."

Enrico: "Wir brauchen auf jeden Fall eine Lösung, wenn in ein paar Jahren das Dach kommt. Dafür könnte man schon jetzt sparen. Dort finden wir, interessiert das die Stadt zu wenig. Bei der kürzlich abgeschlossenen Fördermittelmaßnahme hätten wir uns auch gewünscht, dass mal jemand vom Bauamt vorbei kommt, um zu sehen wie´s läuft. In Stolpen zum Beispiel gibt es Stippvisiten auf jeder städtischen Baustelle."

Ihr wohnt in einem kleinen idyllischen Örtchen. Fehlt euch hier etwas zum Wohlfühlen und wenn, was?

Enrico: "Die Grünanlagenpflege lässt zu wünschen übrig. Auch hier muss die Stadt Hohnstein daran erinnert werden, dass es Lohsdorf noch gibt. Hier mähen wir unser Gras gern selbst, aber woanders fehlt´s halt. Der Spielplatz muss in Schuss gehalten werden, denn langsam gibt es auch wieder kleine Kinder hier."

Daniel Q.: "Es ist nicht schön, dass die Reitwege direkt durch den Ort führen. Und von einigen Nachbarn würden wir uns wünschen, dass sie uns etwas freundlicher begegnen. Wenn wir hier ab und zu in unserem Club sitzen, machen wir doch niemandem Probleme. Die Bauaktion am Grillplatz traf da auch teilweise auf weniger Verständnis, als wir uns das vorgestellt hatten."

Wollt ihr noch etwas loswerden, bei dem ihr denkt, dass es alle wissen sollten?

Sylvia: "An alle Mitglieder vom JC ein großer Dank für die erfolgreiche Gestaltung des Budlfestes! Das klappte super."

V.i.S.d.P.: Torsten Kluge, Projekt JugendLand Seitenanfang